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Saison 2010
Frankreich ohne Happy End
Wie jedes Jahr ende September begab ich mich auch in diesem Jahr wieder zur Abschlusstour auf meine Frankreichreise.
Tag 1
Gleich nach dem Feierabend ging es los. Nur das Wetter wollte nicht wirklich mitspielen. ich werfe mich also auf die Autobahn und fahre, nein eher schwimme ins Wallis. Der Verkehr ist grauenhaft. Selten kann man mal mit einer normalen Geschwindigkeit fahren. Endlich im Wallis angekommen sehe ich das es weit hinunter geschneit hat. Auch spricht die Anzeige an meinem Motorrad nicht wirklich Zuversicht aus. Eigentlich wollte ich Auf dem Forclaz oben übernachten. Aber da es bereits zu schneien begann da oben entschied ich mich zur Weiterfahrt nach Chamonix. Dort fand ich ein angemessenes Zimmer im Hotel Alpina.
Raus aus den Nassen Kleidern und hoffen das bis am Morgen einiges wieder trocken ist.
Tag 2
Der neue Tag beginnt trocken, aber neblig und kalt.
Die Handschuhe sind auch immer noch nass vom Vortag und irgendwie macht es mich nicht wirklich an auf das Motorrad zu steigen. Aber nach dem Frühstück geht es los. Der erste unbefestigte Pass steht auf dem Programm. Der Col de Jouly
So fahre ich bis zum Einstieg und überlege mir ob es schlau ist bei dem Nebel hoch zu fahren. Aber wer mich kennt der weiss.......
Frehni probiert es immer. Umkehren kann man immer wieder. Und hoch geht es. Und wirklich bereits die erste Abzweigung wird im Nebel schlichtweg übersehen. ich merke das es nicht der Weg ist den ich kenne aus dem Vorjahr. Zum glück gibt es Wandertafeln. So folge ich den Wegweisern zum Col de Jouly. Nach einiger zeit bemerke ich das es nun Mount Jouly heisst auf den Tafeln. Plötzlich erscheint vor mir eine Skilift Station im Nebel. Hier war ich definitiv noch nie, Auch als ich früher von der Südseite hoch gefahren bin. Irgendwie bin ich hier falsch. So wird das Motorrad gewendet und ich fahre wieder zurück. Nach ca. fünf Minuten erkenne ich im grauen Schleier den Umriss eines Hauses. Ich halte darauf zu und es entpuppt sich als das Gasthaus auf der Passhöhe.
Nun geht es langsam runter vom Pass. ich sehe knapp 10m. weit.
Als nächstes stehen der Col de Pre und der Cormet de Roselend auf dem Plan. Das graue weicht ein wenig dem weiss des Schneefalls. ich frage mich wirklich ob es so weiter geht bis ans Meer.
Und wirklich oben ist es weiss und auf der Strasse liegt ein wenig Match. Also rasch ein paar Fotos geschossen und runter ins Tal. Der nächste Pass soll dann ja auf 2700m.ü.M. gehen.
Auf dem weg nach Val d’Isère und dem dahinter ansteigenden Col de l’Iseran verwirren mich die Tafeln zum Strassenzustand des Passes doch ein wenig. Einmal ist er geöffnet, dann wieder gesperrt wegen Schnee und dann wieder nur in der Nacht gesperrt. Das heisst für mich dann, selber herausfinden was geht. Es geht eigentlich ganz gut über den Col de l’Iseran. Die Strasse ist nass und stellenweise angefroren aber Schneefrei. Dafür ist alles um mich herum weiss angemalt. Das Thermometer zeigt Minus vier Grad. Aber die bise die da oben geht lässt es kälter erscheinen. da es mich nicht wirklich oben hält steche ich wieder runter ins Tal. Bei der Tafel zum Col du Mont-Cenis plane ich mal kurz um. ich fahre da hoch um zu schauen wie es auf der italienischen Seite aussieht mit dem Wetter. Doch da es fast noch schlimmer scheint als von da wo ich herkomme wird sofort wieder umgekehrt und die geplante Route weiter gefahren.
Als nächstes Stand der Galibier auf dem Plan. kurz nach dem Anstieg zum Col de Telegraf sind mir zwei Motorradfahrer entgegengekommen und haben mir zu verstehen gegeben das es nicht weiter gehen würde. Auch die Passtafeln zeigen unterdessen GESPERRT an. Aber ich denke mir, dass es ja bereits vorher schon mal so komische Verwirrungen mit den Tafeln gegeben hat und fahre weiter. Und wirklich beim Anstieg ist keine Schranke die mich hindert noch sonst etwas. Freude herrscht. Doch ca. acht Kilometer vor der Passhöhe eine geschlossene Schranke. Zurück oder nicht das war nun die Frage?? Probieren gilt war die Antwort. Links an der Schranke durchgezwängt und hoch mit mir. Geht doch. Der Tunnel auf 2400m. war offen, so wusste ich das ich sicher noch weiter komme. Aber was mich reizte war die Passhöhe auf 2600. Bis jetzt war es noch gut zu fahren. Nur Matsch und kein Schnee. Aber von hier zur Passhöhe hoch wurde es dann doch schlimmer und strenger. Dank den Schneeverwehungen hatte ich stellenweise zwanzig centimeter Schnee auf der Strasse. und der Teil der Schneefrei war, der erfreute mich einem schönen rutschig Glatteis. Aber nach einigen Schweisstropfen und zweimal das festgefahrene Motorrad freischaufeln war ich oben. Saukalt aber immerhin oben. Die Südseite jedoch habe ich dann sausen gelassen, da es nur so glänzte vor Eisflächen. Bis zum Tunnel zurück ging es in meiner gefahrenen Spur vom Aufstieg.
Doch die Strapazen haben sich gelohnt. Auf dem nächsten Pass, dem Col de Izonard war es bereits angenehm warm und Sonnig. Endlich merkt man etwas von der Region Südfrankreich. Ich geniesse jeden Sonnenstrahl. Durch die Sonne beflügelt mache ich noch einen Abstecher auf den Col de Agnel. Aber da oben wird es bereits wieder kälter, also zurück ins Tal und ein Zimmer suchen ist angesagt.
Tag 3
An diesem Tag folgt einer meiner lieblings Pässe. Der Parpaillon le Tunnel. Abseits der grossen Alpenstrassen geht es hier auf einer Naturstrasse auf 2500m. hoch. Oben hat es ein kurzes und enges, unbeleuchtetes Tunnel. Sehr oft ist der Weg im Tunnel auch noch mit einer kleinen Eisschicht bedeckt. ganz alleine geniesse ich die Natur und das Wetter. Keine Menschenseele ist hier auf Weg. Weder beim Aufstieg noch bei der Talfahrt. Und wie vermutet nach den Schneefällen und den kalten Temperaturen der letzten Tage hat es oben an den schattigen Stellen noch Schnee. Aus dem Tunnel erwartet mich bereits ein gefrorenes Bächlein. So weiss ich wenigstens was mich erwartet. Auch hängen Eiszapfen von der Decke und den Wänden. Also genau das was man braucht in einem kalten dunklen Loch. Aber alles geht gut und ohne Probleme. Nach dem geniessen der Ruhe und der schönen Aussicht auf der anderen Seite geht es wieder ins Tal hinunter. Ich halte mich dann ein wenig südlich und überquere dabei den Col de Pontis. Dabei geniesse ich die Aussicht auf verschiedene blaue Seen und eine schöne Landschaft.
Nun steht der Col de Bonette auf der Tagesliste. beim Aufstieg wird auch noch ein Abstecher zum Moutiere gemacht. leider ist er aber beim Platteau der Passhöhe gesperrt wegen bauarbeiten. Also zurück und hoch auf den Bonette. Auch hier bin ich fast alleine. Das Wetter könnte besser sein, aber die Aussicht ist trotzdem vom feinsten auf diesen 2800m.
Gemütlich cruise ich ins Tal und biege ab nach Valberg. und da spielt mir das Navi auf dieser Tour den ersten bösen Streich. Und wie es sich gehört folge ich den Pfeilen auf dem Display. Ich habe dabei zwar so meine bedenken, aber da es von der Natur her einfach einmalig schön ist bleibe ich auf diesem Kurs. Der Asphalt ist einem feinen roten Sand gewichen. ich kämpfe mich da den Berg hoch ohne zu wissen wo ich wieder rauskomme. Häuser?? Fehlanzeige. und wie es sich gehört beginnt es auch wieder zu regnen. Nach einigen Kilometern auf diesem roten Sand wird der Weg wieder steiniger. Ich folge zwei Fahrrinnen die in der Mitte mit hohem Gras überwachsen sind. und plötzlich sehe ich eine Alphütte. vor der Hütte steht ein Senn und ruft mir auf französisch, zu ich solle mich links halten. Auch fuchtelt er mit den Händen wie ein wahnsinniger. ich wechsle in die linke Spur und denke mir dabei noch nichts. Ausser das sie bergseitig ist und immer mit grösseren Steinen "blockiert" ist folge ich seinem Ratschlag. Ein Blick auf die rechte Spur zeigt mir warum er mich auf die linke Seite "gejagt" hat. Ein nach aussenhin abschüssiges, schlammiges und rutschiges etwas offenbart sich mir da. Nach einiger Zeit komme ich an eine Weggabelung und vor allem wieder auf einen normaleren Weg. Nur soll ich links oder rechts??? Ein kurzes Kartenstudium zeigt mir das ich mitten im Skigebiet von Valberg bin. ich entscheide mich für links und den Weg via Bergstation zurück nach Valberg. ich komme eigentlich recht gut weiter als ich nach einer Kurve dieses "böse" mit Wasser gefüllte Schlammloch sehe. tja, als erstes habe ich mal sicher den falschen Pneu drauf für solche Spässe. Aber egal, mit Tempo rein, Gewicht nach hinten und das Vorderrad entlasten wäre angesagt. ich will schon losfahren als mir die grösseren Steine die überall auf dem Weg lagen wieder in Erinnerung kommen. Also doch langsam rein und nicht noch wegen eines solchen Stück abgebrochenen Felsens in der Pfütze umfallen. Tja egal wie ich es anging, es endete mit einer BMW die sich im Schlamm zur Seite legte. bei reinfahren ist die Fuhre gleich mal ein gesoffen und stecken geblieben. beim Abstehen sind die Füsse auch gleich mit ein gesoffen. Aufgestellt, im ersten Gang mit viel gefühl wieder raus geschoben. Ach welch ein Spass. Das nächste war nun einfach nur noch eines. Ein Zimmer muss her.
Tag 4
oder mein Pechtag.
Eigentlich begann er ganz gut. Schönes Wetter, schöne Kurven und ein Panorama vom feinsten.
Aber nach ca. 2 Stunden steigt das Navi aus. Aha, aber wo bin ich überhaupt. Ich versuche mittels dem Netbook dem navi wieder Leben einzuhauchen. Aber vergebens. Ich bringe es zwar noch einmal zum laufen, aber die gespeicherten Routen sind weg. naja, fahre ich halt von Wegpunkt zu Wegpunkt, die sind ja noch da.
Doch gegen Abend nimmt sein Unheil seinen Lauf. Ich folge einer, laut Navi, Abkürzung. Die Strasse ist offiziell Beschildert und trägt auch einen Namen.
Vom Asphalt geht es zuerst auf einen normalen Feldweg über aber im Wald wird es dann ein wenig heftiger. Loser, tiefer Kies und Felsen zeichnen den Weg aus. Von Spitzkehre zu Spitzkehre schnaufe ich mich die Steigung hoch. Laut Tafel am Waldanfang bis 22% Steigung und auf der anderen Seite Gefälle.
Und dann passierte es wieder. Umfaller Nr.2.
Die BMW gräbt sich vorne im losen Kies tief ein und ich verlier kurz den halt. Schon liegt sie auf der rechten Seite.
Der Sattel schaut ins Tal runter also nicht wirklich einladend zum Aufstellen.
Da ich noch nicht weiss das ich noch mal einen kleinen Zwischenfall haben werde, stelle ich das Motorrad so auf. Man hat ja noch Kraft für solche Spässe.
Als sie wieder auf den Rädern steht, will ich weiterfahren aber buddle mich gleich wieder ein. Dieses mal mit dem Hinterrad.
Also die Fuhre nochmals umlegen und auf einen Felsen ziehen. Gesagt getan. Ausser Atem vom zweiten mal innert kürzester Zeit 270kg stemmen oder hochheben kämpfe ich mich weiter.
Oben angekommen will ich nur noch runter, den langsam geht die Sonne unter und der Weg gleicht immer noch einem Bachbett.
Tja nach drei Kehren schätze ich einen Stein falsch ein und werde unsanft abgeworfen.
Da liegt sie wieder.
Mit den Kräften noch ein wenig im Minus von der Aktion auf der anderen Hügelseite ziehe ich zuerst mal Helm, Jacke und Rückenschutz aus.
Und wieder liegt die BMW nicht günstig. Also wird sie am Heck gepackt und um 180 Grad gewendet. Stöhn. Danach wird sie noch ein wenig geschoben damit ich einen Felsen der aus dem Boden schaut als Hilfe für die Pneus missbrauchen kann. Nach ca. 15 min. Arbeit steht sie wieder auf den Rädern.
Aber sie leckt. Irgendwo am Zylinder läuft ÖL aus.
Zum Glück habe ich noch fast einen Liter ÖL dabei und kann wieder etwas auffüllen. Nun geht es im dunkeln runter. 5 Meter fahren und im Lichtkegel die nächsten 5 Meter inspizieren. Um halb neun finde ich ein Hotel. Erschöpft, bleich und mit einigen Blessuren checke ich ein.Im Zimmer bemerke ich erst langsam das ich nicht ganz so schmerzfrei davon gekommen bin. Geschwollenes, stark verfärbtes Schienbein, den linken Arm kann ich auch nicht mehr ganz strecken und irgendwie spüre ich das ganze "Gestell".Auf einen Arzt oder Besuch in einem Spital, wie mir an der Rezeption angeraten, verzichte ich und möchte erst mal den nächsten Morgen abwarten.
Tag 5
Vor dem Frühstück zuerst mal die BMW begutachten. Alles ÖL hat sich verabschiedet. Also heisst es nun Pannendienst rufen. Via BMW Karte und Mobi 24 kann ich bis am Nachmittag alles Regeln.
Der Weg zum BMW Händler in der Nähe wurde durch die Mittagspause des Pannendienstes unterbrochen, per Zufall beim Gasthaus der Verwandtschaft.
Aber irgendwann sind wir dann bei den Mech. Von da wird die kaputte GS dann zurück in die Schweiz geführt. Ich werde von einem speziellen Taxifahrer, der den Betrag automatisch aufrundet, das Gepäck schon gar nicht anfasst und mir noch ein Hotelzimmer im Rotlichtviertel von St. Raphael aufschwatzen möchte.
Und danach ging es mit einem Ford Kombi wieder zurück nach Hause.
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